Beim Verwenden der Tonarten und dem damit verbundenen Tonartencharakter ist und bleibt Beethoven ein Markstein für alle nachfolgenden Komponisten. Aus dem düsteren c-Moll führt er bei seiner 5. Sinfonie am Ende in die lichte Hoffnung des C-Dur. Doch seine eigentliche Lieblingstonart, mit der alles ging, ist bei Beethoven, wie Michael Korstick am Klavier erläutert: das Es-Dur.

Hektor Berlioz hat für die Violine zwar, aber doch für alle Dur- und Molltonarten Charakterbezeichnungen verfasst und damit den Tonarten so etwas wie eine Charakterolgie zur Seite gestellt. „Majestisch, hell klingend, sanft und zugleich ernst“ bezeichnet er das Es-Dur, das ja nicht nur für Beethoven eine favorisierte Tonart werden sollte – man denke hier nur an die Anfangstakte aus Richard Wagners „Rheingold“ und den steten Aufstieg des Es-Dur aus dem Tief des Rheins bis in die lichten Höhen.

„Für jeden Komponisten, besonders in der alten Zeit, der Wiener Klassik, spielte die Tonart als solche eine ganz enorme Rolle, weil jeder Tonart eine bestimmte Charakteristik zugeschrieben wurde. Das war jetzt Es-Dur. Strahlend, hell, triumphal. Beethoven hatte irgendwie einen ganz komischen Hang-up auf Es-Dur.“

Wenn er in Es-Dur komponiert habe, dann hätte das für ihn auch etwas Insistierendes und auch etwas Exzessives gehabt. Er konnte da alles ausdrücken und er verließ diese Tonart auch in der Komposition sehr ungern. „Da konnte schon mal zu Beginn ein Es-Dur-Akkord stehen wie beim 5. Klavierkonzert, wo sonst recht wenig passiert“, lacht Korstick: „Und wenn man ein kompositorisches Vermögen und einen Ausdruckswillen hat wie Beethoven, dann ist auch ein ewig langer Es-Dur-Akkord spannend.“

„Wenn es einmal überhaupt eine Symbiose zwischen einem Komponisten und einer Tonart gegeben hat, dann war das ganz klar Beethoven und Es-Dur“, findet auch Korstick: „Es-Dur war für ihn die Tonart des Ungetrübt-Heroischen, man könnte schon fast sagen, es war seine Idealtonart.“ Es-Dur habe Beethoven schon in seiner vierten Klaviersonate verwendet und mit dieser schon in zeitlicher Hinsicht alles gesprengt, was bis dahin im 18. Jahrhundert als Norm gegolten habe. In der 3. Sinfonie wiederum führe Beethoven 21 Takte pures Es-Dur vor: „Es hält es nicht für nötig, irgendeine Abwechslung hineinzubringen, so nahe ist sein Verhältnis zu dieser Tonart.“ Beethoven und Es-Dur, das seien fast schon „eineiige Zwillinge“.

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