Dass Beethoven an den Grenzen seiner Zeit und an den Grenzen auch des technisch Machbaren operierte, sieht man an keinem Beispiel besser als am berühmten Hammerklavier. Dass wir heute vom Hammerklavier sprechen, haben wir eigentlich Beethoven zu verdanken, der nach einer deutschsprachigen, eigenständigen Bezeichnung für das italienische Pianoforte suchte. Eigentlich, so Pianist Michael Korstick, hat Beethoven ja für Instrumente geschrieben, die es in seiner Zeit noch nicht gab.

Dass Beethoven nicht nur ein Klavier zertrümmerte und Tasten oder Hämmer in die Luft fliegen ließ, weil die Instrumente seiner Zeit noch nicht den Entwicklungsstand hatten, den der virtuose Pianist brauchte, ist mittlerweile hinreichend überliefert.

Beethoven habe nach neuen Begriffen für sein Lieblingsinstrument auch deshalb gesucht, weil er einen deutschen Begriff haben wollte für ein Instrument, das den Erwartungen seiner Zeit entsprach. Den Namen hat er mit der Eindeutschung des italienischen Fortpiano oder Pianoforte zum Hammerklavier ja gefunden. Aber, so erinnert Korstick bei seiner Musikdemonstration: „Für mich ist die Suche nach einem neuen Begriff auch die Suche nach einem neuen Instrument, weil Beethoven doch ein Pianist war, ein Klavierkomponist, der Musik geschrieben hat für Instrumente, die es noch gar nicht gab zu der Zeit.“

Beethoven sei ein Hammerklavier-Utopist gewesen, befindet Korstick und fragt sich, welche Musik Beethoven wohl geschrieben hätte, hätte er einen modernen Steinway gekannt. „Beethoven war ja auch berühmt dafür, dass er, wenn er irgendwo auf einem wirklichen Hammerklavier von Graf oder Stein spielte, so darauf spielte, dass die Fetzen flogen und dann die zerbrochenen Saiten und die kaputten Hammerstiele quer durchs Zimmer stoben.“

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