Ludwig van Beethoven war ein Frühbegabter, aber auch ein früh gedrillter. Wie im Fall von Wolfgang Amadeus Mozart sollte ihn seine Positionierung als musikalisches Wunderkind durch den Vater schon in jungen Jahren ins Rampenlicht bringen. So konnte der junge Beethoven mit seinem Umzug nach Wien bereits auf ein breites Repertoire an Kompositionen zurückblicken. Und manches Jugendwerk zur Weiterverarbeitung aufgreifen.

„Beethoven schämte sich nicht dafür, was er als Teenager gemacht hat“, schmunzelt Michael Korstick in Kapitel zehn des Beethoven-ABC, das dem Aspekt des Jugendwerks gewidmet ist. Anders als Johannes Brahms hat Beethoven sein Jugendwerk nicht vernichtet. Aber er entscheidet sich bewusst, die Opus-Zählung erst mit seinen Wiener Jahren zu beginnen. Die Kompositionen aus der Bonner Zeit sind Vorstufen zu einem reiferen Beethoven. Der aber seine Jugendwerke anfänglich mit im Blick hat.

In der ersten Klaviersonate „freecycelt“, wie Korstick sagt, Beethoven einen Satz aus einem Klavierquartett, das er als Jugendlicher geschrieben habe. „Was ich besonders spannend daran finde, ist nicht nur, dass die Qualität der Musik offensichtlich so gut ist, dass Beethoven gedacht hat, es sei schade, diese Idee nicht nochmals in angemessener Form zu verwirklichen“, so der Beethoven-Experte. Jugendsünden seien die schönsten, sagt Korstick lachend und erinnert daran, dass Beethoven bei der Wiederkehr des Jugendmotivs dann doch entscheidende Umbetonungen vollzieht.

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