Es war 1787. Und es war in Wien. Ein sechzehnjähriger Wunderknabe aus Bonn befand sich auf seinem ersten Wien-Ausflug. Und offenkundig hatte diese Reise auch ein Ziel. Den großen Wolfgang Amadeus Mozart zu treffen. Überliefert ist das Vorspiel von Beethoven bei Mozart. In zeitgenössischen Stichen. Wie viel Kontakt beide hatten, ist umstritten, auch, was der eine vom anderen hielt. Mozart war mit dem Erfolg des „Figaro“ etabliert, Beethoven damals ein wildes Talent aus Bonn, dem man Potenzial für eine Karriere beschied.

Das Jahr 1787 ist für jeden Beethoven-Biografen eine Art von Lackmustest. Die einen schwingen sich auf, die Begegnung von Beethoven mit Mozart in allen Farben auszuschraffieren – die anderen spielen es herunter. Der Grund ist einfach: Es gibt nur indirekte Überlieferungen dieser Begegnungen. Und es gibt spätere bildliche Darstellungen, bei denen aber auch der Wunsch Triebfeder aller Gestaltungen war. Mozart war in der Zeit, da Beethoven im Spätwinter 1787 in Wien angekommen war, gerade aus Prag retour und hatte den Erfolg seines „Figaro“ in der Tasche.

Allerdings war Mozart damals schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet – und offenkundig unter Zeitdruck für die Fertigstellung seiner nächsten Oper, dem „Don Giovanni“. Viel Zeit für ein aufstrebendes Talent aus Bonn hatte er nicht. Doch es könnte wohl die eine oder andere Begegnung gegeben haben.

Mozart und Beethoven unterscheidet gerade im Umgang mit dem Klavier einiges. Dass man daraus aber eine Charakterfrage ableiten muss, der Marke, „Bist du im Mozart-Lager? Oder bei Beethoven?“ – so viel dann wieder auch nicht. In manchen Stücken und Werkpassagen kommen sich Mozart und Beethoven ganz schön nahe, wie auch Michael Korstick zeigt.

Beethoven habe sich oft mit dem Vorwurf herumschlagen müssen, dass er keine interessanten Themen zu schreiben vermochte. Und tatsächlich, nähme man die Rhythmisierung von manchem Motiv herunter und schaute sich das Skelett an, dann klänge sogar „Hänschen klein“ mitunter genialer. Beethoven habe Mozart bewundert, und seine Auseinandersetzung mit Mozarts C-Moll-Klavierkonzert spreche da Bände. Mozart baue schon am Anfang seiner Kompositionen motivisch viel mehr Spannung auf – und man müsse auch einmal rätseln, in welcher Tonart man sich eigentlich bewege: „Wir wissen von einer Begebenheit, in der Beethoven mit seinem Schüler Ries eine Probe von Mozarts C-Moll-Klavierkonzert, die in Wien gemacht wurde, anhörte. Während des Konzerts wandte sich Beethoven an seinen Freund Ries und sagte: ‚Mein Lieber, etwas Ähnliches zu vollbringen ist uns beiden nicht gegeben.‘“

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