Fortlaufende Opuszahlen hatten eigentlich die Musikverleger eingeführt, um die im Druck erschienen Werke eines Komponisten durchzunummerieren. Seit Haydn taten das viele Komponisten auch selbst. Bei Beethoven ist die Lage wie zu erwarten verzwickter. Zwar kennt man viele Werke mit Opuszahl. Man muss aber auch mit dem Kürzel „WoO“ leben, also jenen Werken, denen Beethoven keine Opuszahlen geben wollte, weil er sie nicht für würdig hielt, in seinen Werkkatalog aufgenommen zu werden.

„Viele Komponisten haben ihre Werke einfach durchnummeriert, Haydn hat einen Katalog eigener Kompositionen gemacht; für Mozart erledigte sein Vater diese Angelegenheit“, erinnert Michael Korstick an die offizielle Sortierung der Werke eines Komponisten. Bei Beethoven sei die Sache wieder einmal komplizierter. „Einige seiner Werke befand er nicht für würdig, eine Opuszahl zu tragen“, so Korstick. Ganz tolle Sachen seien da einfach unter den Teppich gefallen – „und das vielleicht nur, weil der Meister gesponnen“ hätte.

Beim Aussieben sei Beethoven gnadenlos gewesen und verweist dabei auf einen Variationszyklus, den er nur deshalb ausgesiebt habe, weil dieser nicht in einem Tempo zu spielen sei. Immerhin, so meint Korstick, müsse man sich freuen und dankbar sein, dass es damals keinen Papierschredder gab, dem dann ein ganzes Werk geopfert worden wäre. Doch schon damals gab es natürlich auch Kamine zur Werkvernichtung. Bei Beethoven bleibt jedenfalls ein großer Opuszahlen-Katalog – und eine Reihe apokrypher Stücke.

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