Die Frage, wie man Beethoven korrekt – oder vielleicht doch eher subjektiv, gefühlvoll und frei spielt, ist auch eine Frage der Verwendung des Pedals. Möchte man an die Wurzel der Klaviermusik Beethovens, ist auch die Auseinandersetzung mit dem Stand der Instrumente der damaligen Zeit unerlässlich. Das zeigt Michael Korstick an der Verwendung des Pedals. Nicht, weil er so klingen will wie damals, im Sinn der historischen Interpretation, sondern weil er herausfinden mag, was Beethoven bei einer bestimmten Komposition gemeint haben könnte.

Wenn man sich frage, warum Beethoven bestimmte Stücke schreibe, müsse man immer fragen, für welche Instrumente er geschrieben habe, erklärt Korstick an seinem Flügel. Manche Stellen bei ihm klängen kakofon, weil man sich zwischen Notierung und Umsetzung keinen Reim machen könne. Erneut verweist Korstick auf die Intention des Komponisten, die man freilegen müsse.

„Als ich noch als junger Student einmal auf dem Graf-Flügel im Beethovenhaus spielen durfte, da habe ich den letzten Satz der Waldsteinsonate gespielt, und mir fiel dann die Stelle mit dem strittigen Pedal auf. An den schnellen Stellen mit den raschen Harmoniewechseln und den Staccati brauchte ich das Pedal im Prinzip nicht aufzuheben. Es verstärkte einfach den Klang ein bisschen. Und da stellte ich mir die Frage, was man tun müsse, um genau diesen Effekt auf den modernen Flügel zu übertragen? Man macht das, was ein alter Flügel von alleine tut, nämlich: Man spielt den Bass etwas stärker und sonorer und spielt alles, was in der Mittellage abgeht, am Rande der Hörbarkeitsgrenze, dass es eben tatsächlich den Effekt eines dünnen, bescheidenen, armen Hammerflügels macht.“

Wenn man das so spiele, da „zaubert es plötzlich“: „Als ich die Stelle für meine CD-Produktion aufgenommen habe, sagte mir der Tonmeister, als wir beim Abhören an diese Stelle kamen: ‚Sehr schön, aber nicht für den Konsum im Auto geeignet.‘“

Zur Übersicht