Die Klaviersonate op. 111 in c-Moll wurde gerne als Vermächtnis und Schlusspunkt bei Beethoven betrachtet. Doch auch Michael Korstick erinnert daran, dass der späte Beethoven nach 1822 sich noch großen Werken widmen wollte – und die Sonate dabei das Nachsehen hatte. Die späte Liebe des fast ertaubten Beethoven waren die Quartette.

Die Vierstimmigkeit halte beim späten Beethoven Einzug, weil er sich mit Vorliebe nach der stimmlichen Auflösung auf mehrere Instrumente sehnte, erinnert Korstick beim Buchstaben Q. Die späten Quartette Beethovens und nicht zuletzt deren tonale Kompositionen gelten als Höhepunkt in seinem Schaffen und strafen auch jene auf die Klaviersonaten fixierten Apologeten Lügen, die 1822 so gerne einen Markstein und Wendepunkt bei Beethoven konstruierten.

Beethovens letzte Klaviersonate umfasste trotz ihrer Länge gerade einmal zwei Sätze. Den verdutzten Verlegern erklärte Beethoven damals, dass er keine Zeit für ein Finale gehabt habe – und dafür der zweite Satz länger ausgefallen sei. Und mitnichten sei es ein Irrtum, dass er nur eine zweisätzige Klaviersonate abgegeben habe.

Das Quartett habe Beethoven als Form wie die Sonate sein Leben lang begleitet, allerdings, so fügt Korstick hinzu, „ist er in seinen letzten Quartetten, die ja alle nach der letzten Klaviersonate entstanden sind, einen deutlichen Schritt weiter gegangen in die Zukunft“. „Er ist ja da in den späten Quartetten in die Kleinteiligkeit gegangen, also in die Vielsätzigkeit, was er bei den Klaviersonaten nicht gemacht hat. Das heißt also, diese Zersplitterung, die hat er in den Quartetten wirklich ausprobieren können. Das Quartett war für den späten Beethoven das Experimentierfeld Nummer eins“, erläutert Korstick.

Während Beethoven bei der Klaviersonate wie beim Opus 111 die Satzzahl reduziert habe, habe er sie beim Quartett stark erhöht: „Deswegen ist meine Theorie ja die, dass Beethoven, hätte er noch weiter Sonaten geschrieben, er sich am Ende auch an eine Sonate aus rein einem Satz gewagt hätte.“

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