Schon ganz früh in seinem Werk hat Beethoven die Variation als wesentliches Element seiner musikalischen Entwicklung entdeckt. Beethoven wollte wie kein anderer vor ihm neue musikalische Lösungen finden – und dafür sei die Variationsform der entscheidende Schlüssel, meint Michael Korstick. Manches, was man später in einer Sonate entdecke, das sei davor in einer Variation probiert worden.

Die Variationsform sieht Korstick als wichtigstes Vehikel für die musikalische Entwicklung Beethovens: „Die Variation hat Beethoven sein ganzes schöpferisches Leben lang begleitet und war für ihn immer wieder ein Experimentierfeld, um neue Sachen auszuprobieren, von denen er noch nicht wusste, ob das wirklich funktionieren kann.“

Hätte er zum Beispiel bestimmte Prinzipien in einer Sonate angewandt, dann wäre schlimmstenfalls die ganze Sonate Mist geworden. Wenn aber in einem großen Variationszyklus eine einzige Variation, die experimentell ist, vielleicht nicht so ganz der Bringer wird, dann macht das eigentlich nichts, weil der Kontext alles auffängt.

Für Beethoven sei die Variationsform eigentlich die entscheidende Form in seinem Komponistenleben gewesen – seine „Erste“ und sein letztes großes Klavierwerk, die „Diabelli-Variationen“, seien Variationsformen gewesen. „Und wenn man abseits der berühmten Variationen mal versucht, auch den Kosmos der früheren Variationen zu durchleuchten, dann macht man die unglaublichsten Entdeckungen“, sagt Korstick.

„Wenn man zum Beispiel die Fuge aus den ‚Eroica‘-Variationen anschaut, dann wird man dort im Prinzip die gesamte Fuge der Hammerklaviersonate Opus 106 schon angelegt sehen“, sagt Korstick. Ähnliche Entdeckungen darf man auch zum Opus 109 machen.

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