Alles ist bei Beethoven größer und breiter angelegt als bei allen Zeitgenossen vor ihm. Hört man in den letzten Satz der „Hammerklaviersonate“ op. 106 in B-Dur hinein, dann dauert allein dieser Satz so lange wie eine ganze Sonate eines anderen Künstlers. Beethoven habe sich keine Beschränkungen auferlegt, wenn er von einer Idee überzeugt gewesen sei, sagt Michael Korstick und sieht den Buchstaben X mit dem Format XXL beantwortet.

„Es gibt Sätze, bei denen sich Beethoven überhaupt kein Limit auferlegt hat“, schwärmt Korstick über den Adagio-Satz der „Hammerklaviersonate“: „Es durfte schon öfters mal eine Nummer größer sein“ – auch langsamer, so Korstick, der für den Teil drei der „Hammerklaviersonate“ knapp unter der halben Stunde bleibt.

Habe Beethoven die Notwendigkeit gesehen, in die Länge zu gehen, dann habe er das getan, so Korstick: „Er wusste immer ganz genau, was er tat. Und er hat natürlich auch aus seinem Selbstbewusstsein heraus immer gewusst, dass er sich nirgendwo Grenzen setzen musste. Das fing aber schon in seiner frühen Zeit an. Wenn man sich seine erste ganz große Sonate anschaut, Opus 7, dann stammt die noch aus dem 18. Jahrhundert – und niemand hat damals schon für einen ersten Satz 362 Takte verwendet.“

Was also bei Beethoven ein einzelner Satz sei, könne bei Mozart schon eine ganze Sonate sein: „Aber auch da hat man bei Beethoven nie das Gefühl, dass es gewaltsam ist, dass es gewollt ist, sondern es ergibt sich immer aus dem Material und aus dem Kontext. Für ihn durfte es immer eine Nummer größer sein – und die fing bei XXL an.“

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