Ist Beethovens Musik mit dem Ypsilon-Chromosom verbunden und das typische Produkt eines Mannes? Nein, sagt Michael Korstick. Diese Musik hätte auch von einer Fanny Mendel stammen können. Allerdings gibt Korstick zu bedenken, dass die gesellschaftliche Durchsetzung der Musik von Frauen zu Beethovens Zeit nahezu ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sei. Man habe sich damals immer noch im Zeitalter des Feudalismus befunden. Und andererseits muss man auch daran erinnern, dass Beethoven in seinen Schwärmereien mit seiner „unsterblichen Geliebten“, Josephine Brunsvik, deutlich seine Grenzen als Bürgerlicher erkennen musste.

Hätte man ihm überhaupt eine Möglichkeit gegeben, sich zu entfalten, hätte er berühmt werden können, hätte sein Ruhm auf ewige Zeiten überleben können?“, stellt Korstick seine hypothetischen Fragen zu Luise van Beethoven. „Es ist natürlich völlig klar, dass Beethoven in seiner ganzen Persönlichkeit durchaus von dem Bild der Männlichkeit seiner Zeit geprägt war; er sah dann auch die männlichen Privilegien auf seiner Seite.“

Er sei sich sicher, dass Beethoven als Frau auch nicht derart radikal hätte sein dürfen – und das alleine aus Gründen der gesellschaftlichen Usancen und Zustände.

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