„Ein Schmetterling flatterte vor den Schwingen des Adlers.“ So soll Robert Schumann den Besuch Gioachino Rossinis bei Beethoven einmal zusammengefasst haben. Beethoven wollte nie der Titan sein, als der er oft verklärt wurde, aber er, der ewige Fremdling in Wien, sehnte sich ungemein nach Anerkennung. Doch spätestens mit dem Erfolg seiner 9. Symphonie konnte auch er erkennen, dass sein Wille zur großen Form mit der Begeisterung des Publikums belohnt wurde.

Am Ende des Beethoven-ABCs steht die Zukunft: Nach Beethoven würde die Musik nicht mehr so sein können wie vor ihm. Und den Weg, den Beethoven in die Moderne wies, der heißt wohl: Mut zur Expression – und das Verwenden von Lösungen, wie sie davor noch nie da waren. Als Beethoven im Jahr 1827 starb, da durfte nicht nur die Medizin nach Beethovens eigenem Willen den Körper eines Grenzgängers erforschen: Beethoven hatte sich ja von der wissenschaftlichen Sektion seines Leibes die Klärung der Gründe für seine Ertaubung erhofft. Gefunden hat man schließlich eine geschrumpfte Leber und eine steinharte Bauchspeicheldrüse, was wenig wundert ob der ungezähmten Lust, mit der Beethoven Essen, Alkohol und Kaffee zugesprochen hatte. Was seine künstlerische Hinterlassenschaft anlangt und seinen Ruhm, den er schon zu Lebzeiten hatte, davon sprechen die 20.000 Menschen, die sich dem Begräbniszug zum Währinger Friedhof anschlossen. Beethoven galt nicht zuletzt in seinem Fach als Größe, an die man sich schon physisch kaum.

Alle namhaften Komponisten der Zeit wollten Beethoven treffen – alle fürchteten davor, den aufbrausenden und unberechenbaren Menschen, schwärmten aber danach, wie etwa Carl Maria von Weber, von der Herzlichkeit, mit der sie Beethoven empfangen habe. Beethoven war der Unbequeme, der, der sich nicht verstellen wollte, und der, der sich seiner eigenen Größe gewiss war. Als er gemeinsam mit Johann Wolfgang von Goethe in Weimar der damaligen Kaiserin begegnet war, verharrte Goethe in gebückter Haltung, während sich Beethoven breitbeinig aufstellte.

Um Konventionen war es ihm nicht so zu tun – und so wurde aus ihm aber auch nicht der geschmeidige Vertreter an der Spitze der Gesellschaft – er blieb ein Sonderling, der auch immer den ökonomischen Absturz fürchtete und der sich nie ein prächtiges Refugium, das zu seinem Ansehen gepasst hätte, zu schaffen vermochte.

Beethoven ist die Zukunft der Musik, ist sich Michael Korstick auch am Ende und erneut mit Blick auf die letzte, die 32. Klaviersonate, gewiss. Gerade mal zwei Sätze habe Beethoven dafür verwendet. Und die zwei Sätze stünden, so ist sich Korstick sicher, für die Gespaltenheit der Welt, die Beethoven ja stets auch in sich empfunden habe. Im ersten Satz gestalte er den Konflikt, in Anbetracht der Erkenntnis, dass die Dinge nun mal nicht so seien, wie sie sein könnten.

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